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Der Tradition und Innovation verbunden – 160 Jahre Eifelklänge

Von der deutschen Revolution und der Versammlung in der Frankfurter Paulskirche oder der Uraufführung von Guiseppe Verdis „La Traviata“ hatte wohl kaum jemand im tiefen Westen etwas mitbekommen. Mitte des 19. Jahrhunderts sorgten sich die Eifeler bei harter Arbeit um das Wohl ihrer Familie und darum, den Hunger von Mensch und Vieh tagtäglich stillen zu können. Doch in dieser sicherlich schwierigen Zeit liegt die Wiege des ältesten Musikvereins im Kreise Aachen.

Die Anfänge:

In Anlehnung an das antike Saiteninstrument wurde zunächst der Name „Lyra“ Eicherscheid gewählt, „Eifelklänge“ nennen sich die Golddorf-Musiker erst seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Was die „Gründerväter“ motivierte, sich zu einem Musikverein zu vereinigen, ist nicht wirklich überliefert. Es ist jedoch anzunehmen, dass die Blasmusik der Begleitung zahlreicher Wallfahrten, Prozessionen und Bittgänge dienen sollte, die seit Ende der napoleonischen Herrschaft erlaubt waren. Seit eh und je sind die Eifeldörfer zu kirchlichen wie weltlichen Festen voll von Musik gewesen. Und so schlossen sich einige Solisten zusammen, um einen stimmungsvollen Klangkörper zu bilden.

Leider ist aus dieser Zeit nahezu nichts überliefert – sei es aus Zeitmangel oder mangelnder Schulbildung.

1900 – 1950:

Erst mit Beginn des 20. Jahrhunderts sind erste Aufzeichnungen zu finden. Ein Herr Nießen aus Huppenbroich leitete zu Zeiten Kaiser Wilhelms die musikalischen Geschicke. Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges zählte der Verein 14 Aktive, dirigiert von Matthias Förster. 1925 wurde der Taktstock von Ewald Kaulard übernommen, der diesen durch die Wirren der NS-Zeit führte. Dem Gräuel des Zweiten Weltkrieges fielen etliche junge Eicherscheider Musiker zum Opfer.

Doch schon bald sorgten Männer wie Alois Fink, Robert Förster, Alois Jansen, Martin Heinrich Küpper, Robert Kaulard oder Edmund Röhrlich dafür, dass wieder Musik in Eicherscheid Einzug hielt. Instrumente, Notenmaterial oder gar Geld zur Anschaffung Selbiger fehlten natürlich an allen Ecken und Enden. Dennoch gelang es, bereits am Weißen Sonntag 1947 zu Ehren der Kommunionkinder ein Konzert zu geben. Zu den Proben traf man sich in diesen Tagen in den Privatwohnungen der Aktiven oder nutzte leerstehende Gebäude. Musikalischer Leiter in der Zeit des Neuaufbaus war Edmund Röhrlich, der 1954 von Hubert Baumgarten beerbt wurde.

1953:

Im Jahr des 100-jährigen Bestehens erfuhr auch der Verein einen Umbruch. Spielleute und Gäste wurden an Pfingsten zum großen Fest eingeladen – und es folgten Musiker aus dem ganzen Monschauer Land und dem belgischen Grenzgebiet. Fast 200 fördernde Mitglieder zeigten, dass die „Eifelklänge“, wie der Musikverein fortan hieß, fest im Leben der Bevölkerung verankert war. Geführt von Präses Alois Küpper florierte die „Eifelklänge“ zusehends. Dazu trug auch Alois Fink bei, der den Vorsitz Mitte der 60er Jahre übernahm. Robert Latzel übernahm 1959 das Dirigat von Hubert Baumgarten.

1970 – 1990:

Mit Karl Jansen als Vorsitzendem schlug die „Eifelklänge“ ein neues, erfolgreiches Kapitel ihrer Vereinsgeschichte auf. Im Hinblick auf das 125-jährige Bestehen wurde der Klangkörper innerhalb kurzer Zeit von 28 auf 42 aktive Musiker erweitert – allein 16 Jugendliche waren in den Reihen des Musikvereins.

Auch der Anspruch an das Repertoire erhöhte sich zusehends. Karl Jansen hatte 1974 das Dirigat von seinem Onkel Jakob Jansen übernommen, der 1967 Rudolf Latzel beerbt hatte. Karl Jansen führte anspruchsvolle Musik des legendären Egerländer-Blasorchesters ein – der Lohn war ein glänzendes Konzert 1974, das erste öffentliche, konzertante Aufspielen der „Eifelklänge“ seit Jahren. Unter Einbindung der Jugend und ständiger Forderung und Förderung des bestehenden Ensembles ging der Musikverein stets mit der Zeit und wusste seine Hörer zu begeistern.

Zudem konnte mit dem Gemeinschaftshaus ein eigener Probenraum bezogen werden.

Das Kreismusikfest 1976 – das zweite seiner Art, das die Eifelklänge ausrichtete – wurde zum vollen Erfolg. Über 600 Musiker bevölkerten ein ganzes Wochenende lang Eicherscheid.

Die heutige Uniform – ein schmuckes Grün-Schwarz – wurde übrigens 1983 zum ersten Mal getragen.

90er:

Der Tradition bewusst, aber dem Fortschritt verschrieben entschieden sich die „Eifelklängler“ Ende der 80er Jahre dazu, ausgebildete Musikpädagogen für die Jugendausbildung zu engagieren. So war es nur konsequent, dass Karl Jansen nach 20 sehr erfolgreichen Jahren von einem „Profi“ am Dirigat beerbt wurde. Thomas Schrouff brachte den Musikern fundiertes und dauerhaftes instrumentales Fachwissen bei – spielerisches Niveau und Qualität der Darbietungen stieg fast zwangsläufig. Highlights seiner Schaffenszeit waren sicherlich die erfolgreichen Teilnahmen am Bundesmusikfest in Friedrichshafen 2001 sowie dem Landesmusikfest NRW in Brilon 1997.

Übrigens: Seit 1988 ist das Pfarrheim das „Vereinsheim“ des Musikvereins.

1996 schuf sich der Musikverein ein weiteres Standbein. Gemeinsam mit dem Trommler- und Pfeiferkorps, der Freiwilligen Feuerwehr und dem Sportverein Germania Eicherscheid errichtete man die Festhalle „Tenne“. Der beliebteste Saal der Region wird nicht nur für die Dorffeierlichkeiten, sondern auch für vielfältigste Veranstaltungen – vom Geburtstag bis hin zum Konzert – genutzt.

Neues Jahrtausend:

Heute ist der Musikverein „Eifelklänge“ Eicherscheid zu einem Orchester herangewachsen, dass sich in der oberen Mittelstufe durchaus sehen und hören lassen kann. Über 60 Musiker zählen derzeit zum aktiven Kreis. Dabei ist beachtlich, welch stattliche Zahl die Jugend in den Reihen der „Eifelklänge“ ausmacht.

Dies hat sich auch nicht durch den Wechsel am Taktstock geändert. Nach neun erfolgreichen Jahren übernahm Harry Schaeps das Dirigat von Thomas Schrouff. Dem niederländischen Vollblutmusiker gelingt es Woche für Woche, seine musikalische Professionalität locker herüberzubringen und so das Bestmögliche aus jedem Einzelnen herauszukitzeln. Den Lohn seiner Arbeit fuhr der Musikverein im Frühjahr 2007 eindrucksvoll ein, als man beim Bundesmusikfest in Würzburg mit einem „Hervorragend“ ausgezeichnet wurde. Vorstand wie Aktive hoffen, dass die Erfolgsgeschichte des Vereins noch viele Jahre andauern wird und musikalischer Anspruch und Geselligkeit unter den Musikern stets im Einklang stehen werden. Denn: „Musik ist etwas Natürliches, daher soll sich jeder Musizierende beim Spielen wohlfühlen.“ (Zitat Harry Schaeps)

Ehrenmitglieder:

Robert Förster (†)

Herbert Nießen (†)

Josef Offermann (†)

Klaus Stollenwerk

Rudi Jansen